Kein grund­sätz­li­cher Aus­schluss der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung von Ver­trä­gen über Kran­ken­kos­ten­ver­si­che­run­gen durch den Ver­si­che­rer

BGH vom 07.12.2011 – IV ZR 50/11 u.a.

Nach § 206 Absatz 1 Satz 1 VVG kann ein Ver­si­che­rer einen Krank­heits­kos­ten­si­che­rungs­ver­trag dem Wort­laut nach grund­sätz­lich nicht kün­di­gen.

Mit Urteil vom 07.12.2011 (Az.: IV ZR 50/11) hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) jedoch ent­schie­den, dass nicht jede außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Ver­si­che­rers von § 206 Absatz 1 Satz 1 VVG erfasst wird. In Fäl­len sons­ti­ger schwe­rer Ver­trags­ver­let­zun­gen des Ver­si­che­rungs­neh­mers (z.B. arg­lis­ti­ge Täu­schung; tät­li­cher Angriff auf einen Ver­si­che­rungs­mit­ar­bei­ter) kann eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Ver­si­che­rers in Betracht kom­men. In einem sol­chen Fall „wer­de die Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung mit dem bis­he­ri­gen Ver­si­che­rer weder im Basis­ta­rif fort­ge­setzt, noch ste­he dem Ver­si­che­rungs­neh­mer ein Anspruch auf Abschluss eines der­ar­ti­gen Ver­tra­ges mit sei­nem bis­he­ri­gen Ver­si­che­rer zu.“ Einen aus­rei­chen­den Schutz erlangt der Ver­si­che­rungs­neh­mer dadurch, dass er wei­ter­hin einen Anspruch dar­auf hat, bei einem ande­ren Ver­si­che­rer im Basis­ta­rif ver­si­chert zu wer­den.

Für eine pri­va­te Pfle­ge­ver­si­che­rung hin­ge­gen ist jede außer­or­dent­li­che Kün­di­gung durch den Ver­si­che­rer nach Ansicht des BGH aus­ge­schlos­sen.