Tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen über sach­grund­lo­se Befris­tun­gen

Gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1, Halb­satz 1, TzB­fG kann ein Arbeits­ver­trag bis zur Dau­er von zwei Jah­ren ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des befris­tet wer­den. Inner­halb die­ses Zeit­raums darf der befris­te­te Ver­trag höchs­tens drei­mal ver­län­gert wer­den. Gemäß § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG kön­nen durch Tarif­ver­trag die Anzahl der Ver­län­ge­run­gen und die Höchst­dau­er der Befris­tung abwei­chend fest­ge­legt wer­den. Der durch die­se Vor­schrift eröff­ne­te Gestal­tungs­rah­men der Tarif­ver­trags­par­tei­en gilt jedoch ver­fas­sungs- und uni­ons­recht­lich nicht schran­ken­los.

In dem jetzt höchst­rich­ter­lich ent­schie­de­nen Fall war der kla­gen­de Arbeit­neh­mer bei der E.on –Ser­vice GmbH auf­grund eines sach­grund­los befris­te­ten, ein­mal ver­län­ger­ten Arbeits­ver­tra­ges vom 15. Janu­ar 2012 bis zum 31. März 2014 als kauf­män­ni­scher Ange­stell­ter beschäf­tigt.

Auf das Arbeits­ver­hält­nis fand der zwi­schen der Arbeit­ge­ber­ver­ei­ni­gung Ener­gie­wirt­schaft­li­cher Unter­neh­men e.V. (AVE) und der Indus­trie­ge­werk­schaft Berg­bau Che­mie Ener­gie (EGBCE) gel­ten­de Man­tel­ta­rif­ver­trag kraft arbeits­ver­trag­li­cher Bezug­nah­me Anwen­dung. Die­ser sah die kalen­der­mä­ßi­ge Befris­tung eines Arbeits­ver­tra­ges ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des bis zu einer Dau­er von fünf Jah­ren vor. Bis zu die­ser Gesamt­dau­er war die fünf­ma­li­ge Ver­län­ge­rung des befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges zuläs­sig. Der Arbeit­neh­mer hielt die tarif­li­che Bestim­mung für unwirk­sam und griff die dar­auf gestütz­te letz­te Befris­tung sei­nes Arbeits­ver­tra­ges zum 31. März 2014 an.

Der Arbeit­neh­mer hat­te in allen drei Instan­zen kei­nen Erfolg.
Die Vor­in­stan­zen, das Arbeits­ge­richt Essen, Az. 5 Ca 590/14 und das LAG Düs­sel­dorf, Az. 17 Sa 892/14, haben u.a. damit argu­men­tiert, dass nach einem Urteil des BAG vom 15.08.2012, Az. 7 AZR 184/11 eine tarif­lich vor­ge­se­he­ne Höchst­dau­er der Befris­tung ohne einen Sach­grund in Höhe von 42 Mona­ten und einer höchs­tens vier­ma­li­gen Ver­län­ge­rung ohne nähe­re Begrün­dung für zuläs­sig ange­se­hen wur­de. Fer­ner habe das Bun­des­ar­beits­ge­richt bei einer Sach­grund­be­fris­tung kei­ne fes­ten

zeit­li­chen Gren­zen auf­ge­stellt und erst bei einer Dau­er von 7 Jah­ren und 9 Mona­ten auf­grund von vier Befris­tun­gen Anhalts­punk­te für einen Rechts­miss­brauch gese­hen, BAG-Urteil vom 18.07.2012, Az. 7 AZR 783/10.

Nach der nun ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung des BAG ist eine Befris­tung, wie sie der dem Streit­fall zugrun­de­lie­gen­de Man­tel­ta­rif­ver­trag vor­sieht, wirk­sam. Der durch § 14 Abs. 2, Satz 3 TzB­fG eröff­ne­te Gestal­tungs­rah­men der Tarif­ver­trags­par­tei­en ermög­li­che Rege­lun­gen, durch die die in § 14 Abs. 2 Satz 1 TzB­fG genann­ten Wer­te für die Höchst­dau­er eines sach­grund­los befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges und die Anzahl der mög­li­chen Ver­trags­ver­län­ge­run­gen nicht um mehr als das drei­fa­che über­schrit­ten wer­den, was vor­lie­gend nicht der Fall war.

Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 26. Okto­ber 2016, 7 AZR 140/15

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