Wie­der­ver­hei­ra­tung eines Chef­arz­tes einer katho­li­schen Kli­nik recht­fer­tigt kei­ne Kün­di­gung

BAG vom 18.09.2011 – 2 AZR 543/10

Einem katho­li­schen Kran­ken­haus ist es nicht mög­lich, sei­nen Chef­arzt allein wegen des­sen Wie­der­ver­hei­ra­tung zu kün­di­gen. Viel­mehr muss auch in einem sol­chen Fall eine Inter­es­sen­ab­wä­gung durch­ge­führt wer­den.

Zu die­ser Fest­stel­lung gelang­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in sei­ner Ent­schei­dung vom 18.09.2011 (Az.: 2 AZR 543/10). Zwar bekräf­tig­te das BAG in sei­ner Ent­schei­dung erneut die pri­vi­le­gier­te Posi­ti­on und das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht von reli­giö­sen Ein­rich­tun­gen dahin­ge­hend, dass die­se Ein­rich­tun­gen von ihren Beschäf­tig­ten ein loya­les Ver­hal­ten im Sin­ne ihres jewei­li­gen Selbst­ver­ständ­nis­ses ver­lan­gen kön­nen. Trotz die­ser gestei­ger­ten Loya­li­täts­pflich­ten der Mit­ar­bei­ter von reli­giö­sen Ein­rich­tun­gen ist eine ordent­li­che Kün­di­gung nach Auf­fas­sung des BAG jedoch nur dann gerecht­fer­tigt, wenn der Loya­li­täts­ver­stoß, vor­lie­gend also die Wie­der­ver­hei­ra­tung, auch unter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen im Ein­zel­fall ein hin­rei­chend schwe­res Gewicht und Aus­maß hat.